08.10.2003 Kalle und Micha
"Wie er beieinander ist, sieht man ja. Wir sind immer die Leidtragenden. Jetzt geht er wieder zur Nationalmannschaft, aber eigentlich müsste er mal Ruhe haben. Aber die Ruhe wird man ihm nicht geben können, weil er wieder spielen muss, weil er wieder den Messias für Deutschland spielen muss." Hoppla, da hat uns Kalle ja mal vom Leder gezogen, wie wir es sonst nur vom Kaiser und vom Wurst-Hoeneß kennen. Das kann der angeblich so brave und biedere Ballack aber auch: "Der soll nicht so einen Scheiß erzählen." Jawollja. So liebe ich uns Micha! Schön, dass Ballack auch mal außerhalb des Platzes eine Duftmarke hinterlassen hat. Auf dem Platz zeigt er ja regelmäßig, wie wichtig er ist, und mir als Bremer macht das keinen Spass, das zuzugeben. Da musste der Chef dann artig zurückrudern, weil ihm die Bedeutung seines Bayern-Messias natürlich klar ist. Schnell schob er nach, dass Ballack natürlich abgestellt werde. Ansonsten hätte er ja möglicherweise zugeben müssen, dass er auch bei den Bayern mal ein Pause nötig hätte, wenn er in so schlechter Verfassung ist, dass er "sich über den Platz gequält habe." Aber das gibt die augenblickliche Tabellesituation halt nicht her. (Das sage ich als Bremer hingegen mit einem seeligen Lächeln!) Aber ein kurzer Satz des Vorstandschefs ist mir noch nicht ganz klar: "Wir sind immer die Leidtragenden." Wie bitte? Wir? Das können ja wohl nur die Bayern sein. Die Leidtragenden? Weil Ballack abgestellt wird? Wohl kaum. Weil Kahn abgestellt wird? Und Scholl, Jeremies, Deisler? Die ganzen ausländischen Nationalspieler? Weil Schweinsteiger der Einzige auf dem Platz ist, der nicht regelmäßig international antreten muss? Mein Mitleid sei den Bayern gewiß. Auch die Vorstandsetagen der kleineren Vereine werden sicherlich mitleidig den Kopf senken. Gerne verzichtet man auf einen Kader mit mehr als 15 Nationalspielern, wenn man an diese einschneidende Banchteiligung von Seiten des DFB denkt. Wer hätte beim Kauf der Stars damit gerechnet, dass diese international spielen sollen und, wie im Fall Ballack offensichtlich, auch wollen? Lieber Herr Rummenigge, ich gönne Ihnen den Kader, und auch das sage ich als Bremer nur ungern, aber Sie haben ihn sich durch kontinuierlich erfolgreiche Arbeit verdient. Aber bitte lassen Sie die Kirche im Dorf. Wer Nationalspieler verpflichtet, darf sich nicht beschweren, dass sie sind, was sie sind. Nämlich Nationalspieler. |